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Portrait Marina Marunic
„1996“ - ganz bewusst habe ich die Geschehnisse dieses Jahres gegoogelt. Politisch, wirtschaftlich wie auch historisch waren diese nicht ohne Bedeutung. Doch in mein Gedächtnis hat sich ein besonderes Ereignis tief eingebrannt. Eine persönliche Erfahrung, die mit grösster Wahrscheinlichkeit mein Leben verändert hat: der Schritt zum Karate.
Es stellt sich immer wieder die Frage, „warum ausgerechnet Karate?“ Nun, die meisten Sportarten habe ich entweder im Turnunterricht oder in der Freizeit kennengelernt. Die Regeln dieser Sportarten waren meist sehr einfach und man brauchte nicht unbedingt Mitglied eines Vereines zu sein, um sie zu erlernen. Zudem haben diese Sportarten die geistliche Ebene kaum berücksichtigt. Ich suchte damals nach einer grösseren Herausforderung, und diese habe ich im Karate gefunden. Das oberste Ziel dieser Sportart ist es, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Dies macht Karate zu etwas ganz Besonderem! Kennengelernt habe ich diesen Sport durch Sensei Zoran, bei welchem ich auch mit Karate begonnen habe. Damals war Sensei ein aktiver Wettkämpfer, der durch seine Willenskraft und seine Stärke auf der Kampffläche überzeugen konnte – dies hat mich beeindruckt. Es ist mir heute eine Ehre sagen zu dürfen, dass ich eine der ältesten Schülerinnen von Sensei Zoran bin, und mich dies sehr positiv geprägt hat.
Bereits mein halbes Leben lang betreibe ich nun diesen Sport und die Faszination hat noch nicht nachgelassen – im Gegenteil, sie wird immer grösser. Inspiriert von meinen Idolen, habe ich mir damals das Erlangen des schwarzen Gurtes zum Ziel gemacht. Das Erreichen dieser Stufe war für mich ein Symbol der Vollkommenheit. Als ich im Dezember 2007 dieses Ziel erreichte, habe ich mir am selben Tag die Frage gestellt: „wie soll es nun weitergehen?“ Seither hat sich meine Wahrnehmung dieser Sportart völlig geändert. Nach dem Erreichen meines Zieles haben sich viele neue Wege geöffnet, es fühlte sich an wie ein Neubeginn. Die Vollkommenheit habe ich also nicht erreicht, denn Karate ist wie das reale Leben – man lernt nie aus.
Sich Ziele zu setzen und diese mit Selbstdisziplin versuchen zu erreichen, habe ich im Karate gelernt. Diese Eigenschaft konnte ich mir nicht nur im Sport zu Nutze machen, sondern auf das Leben umsetzen. Im September 2008 habe ich mein Betriebsökonomie-Studium erfolgreich abgeschlossen und mir bereits ein neues Ziel zur Herausforderung gemacht.
Die Ausbildung zur Jugend und Sport Leiterin hat mir geholfen, meinen Fokus zu erweitern. Die Arbeit mit Kindern bereitet mir grosse Freude. Sie ermöglicht mir eine neue Wahrnehmung meiner persönlichen Stärken und Schwächen, zudem betrachte ich Karate aus einer neuen Perspektive. Eigenschaften wie Disziplin, Wille, Selbstbeherrschung und eine klare Linie empfinde ich als vorrangig für die Arbeit mit Kindern. In diesem Zusammenhang verfolge ich ebenfalls ein Ziel: „Die Kinder sollen durch vielseitige Übungen, Körperbeherrschung und mentales Training ein gesundes Selbstwertgefühl erlangen.“
Das Erstellen dieses Portraits war eine sehr spezielle Aufgabe. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so gründlich über mein Leben nachgedacht habe. Man lässt sich meist vom schnellen Tempo des Lebens mitreissen und leider bleibt zu wenig Zeit sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Mit Karate verbinde ich meist schöne Momente und die Erinnerung an diese hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.
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